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02.01.2018

Aus dem Verlag

Der Verlag der Francke-Buchhandlung wird 100!

Der "Verlag der Francke-Buchhandlung" ist Teil des "Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes" (DGD). Während die ersten Schriften des DGD 1916 noch als Nebenprodukt der Missionsarbeit gelten, geht man zwei Jahre später den nächsten Schritt und gründet am 1. Juli 1918 den sogenannten "Reichsverlag". Die Schriften aus dieser Zeit wirken in erster Linie durch ihren geistlichen Gehalt, sind aber heutzutage auch als zeitgeschichtliche Dokumente interessant.

Titel wie "Was sagt eine Mutter ihrer Tochter beim Abschied aus dem Elternhause?", "Was wir draußen erlebten. Reiseeindrücke der Vorschule des D.G.D. von einer Reise durch den Freistaat Sachsen" oder "Roter Sturm über dem Baltenland. Erlebtes und Erlittenes aus Rigas Schreckenstagen" geben aufschlussreiche Einblicke in Leben, Denken und Glauben der Menschen dieser Zeit.

Der "Reichsverlag" ist zunächst in der Schwanallee in Marburg angesiedelt, bis er 1921 in das Mutterhaus "Hebron" nach Marburg-Wehrda umzieht. Was dort in einem ehemaligen Speisekämmerchen beginnt, entwickelt sich bald zu einer intensiven Literaturarbeit in all ihren Ausprägungen: Man publiziert seelsorgerliche und theologische Titel, kümmert sich um den Direktversand an eine wachsende Zahl von Lesern, bemüht sich aber auch, den Buchhandel für die Titel zu gewinnen. Wo es räumlich möglich ist, gründet man in den Mutterhäusern eigene Buchverkaufsstellen, die sich schnell zu vollwertigen Buchhandlungen entwickeln. Die schließen sich 1934 zur "Buchhandlung des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes" zusammen. Zwei Jahre später fasst man zwei wichtige Zweige der Literaturarbeit unter dem Namen "Spener" zusammen - der Reichsverlag heißt fortan "Spener-Verlag" und die Buchhandlungen "Spener-Buchhandlung".

Um die Buchhandlung in Elbingerode/Harz nach dem Krieg vor der Verstaatlichung durch die DDR-Behörden zu schützen, muss eine Trennung von der westdeutschen Muttergesellschaft vollzogen werden. Die ostdeutsche Spener-Buchhandlung besteht unter dem Schutz der Evangelischen Kirche fort, während sich die westdeutschen Filialen und der Verlag einen neuen Namen suchen müssen: Man wählt den Namen "Francke-Buchhandlung", bzw. "Verlag der Francke-Buchhandlung", in Erinnerung an einen der bedeutendsten Pietisten des 18. Jahrhunderts - August Hermann Francke. Dieser widmete sich nicht nur der Verbreitung der Bibel sowie zahlloser zum Teil selbst verfasster Kleinschriften, er gründete auch die Ostindische Missionsgesellschaft und unterstrich mit Bau und Leitung der Armenschulen und Waisenhäuser in Halle, dass der Glaube sich nicht in Weltflucht erschöpft.

Der Verlag ist nach 1945 viele Jahre in der Frankfurter Straße in Marburg angesiedelt. Um der wachsenden Arbeit gerecht werden zu können, zieht er 1975 in das neuerrichtete Gebäude Am Schwanhof um, das im Lauf der Jahre bis heute mehrfach erweitert und modernisiert wird.

Was vor 100 Jahren am Ende des Ersten Weltkrieges mit der Arbeit einiger Diakonissen in einem ausrangierten Speisekämmerchen beginnt, entwickelt sich zu einem leistungsfähigen Verlag mit einem attraktiven und gefragten Buchprogramm. In guten Jahren wie in politisch unsicheren Zeiten (Drittes Reich) und wirtschaftlichen Krisen kann sich der Verlag der Francke-Buchhandlung durch kluge Produktpolitik seine Selbständigkeit bewahren. Ein Verlagsteam, das heute ein Dutzend Mitarbeiter umfasst, stellt unter der Leitung des Geschäftsführers Dr. Klaus Meiß, der Verlagsleiterin Anne-Ruth Meiß und der Programmleiterin Kathrin Arlt ein Buchprogramm zusammen, das dem Ziel dient, den Glauben an Gott zu wecken und wachsen zu lassen. Da den Verantwortlichen ein direkter Draht zu den Kunden wichtig ist, wird der Buchhandel über eine eigene Auslieferung versorgt. In jüngster Zeit hat sich der Wirkungsbereich des Verlages durch eine Beteiligung an der Alpha-Buchhandlungskette, am Brunnen-Verlag (Gießen) und an ChrisMedia, dem Dienstleister für christliche Medien, erweitert.